NATURINFORMATIONEN

Pflanzengallen – Kinderstube von Insektenlarven

Zur Zeit lassen sich an Eichenknospen merkwürdige Gebilde beobachten, deren Form an Äpfel erinnert. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Pflanzengalle, eine Gewebewucherung der Pflanze, die durch verschiedene Insekten wie z.B. der Gallmücke oder -wespe verursacht wird. Sie kommen an Blüten, Blättern, Stengeln, Zweigen, Knospen und Wurzeln vor und haben, je nach Insekt eine ganz bestimmte Form und Farbe. Eine Galle kann aus einer bis zu mehreren Hundert Kammern bestehen mit jeweils einem Ei darin. Die sich daraus entwickelnden Larven ernähren sich von der Gallsubstanz. Das ausgewachsene Insekt zerstört schließlich die Gallhülle und gelangt ins Freie. Allein an Eichen kommen über 100 verschiedene Gallbildungen vor.

 

Quellen:

Wolfgang Hensel (2006): "300 Fragen zur Natur"

Eva & Wolfgang Dreyer (2009): "Der Kosmos-Waldführer: Die Tiere und Pflanzen unserer Wälder"

Libellenhochzeit: Tandemflug und Paarungsrad

An stehenden Gewässern mit zahlreichen Ufer- und Wasserpflanzen lassen sich im Juni/ Juli immer wieder Libellen beobachten, die zu einem "Ring" gebogen sind. Bei diesem "Ring" handelt es sich um ein sogenanntes Paarungsrad. Libellenmännchen haben nämlich ein anatomisches Problem: Der Hoden mit dem Sperma liegt am Ende des Hinterleibs, während das Kopulationsorgan am vorderen Rand des Hinterleibs sitzt. Daher muss zunächst das Kopulationsorgan mit Samenzellen gefüllt werden. Hierfür wird das Hinterleibsende untenherum nach vorne gebogen. Nach einem artspezifischen Vorspiel packt das Männchen mit den Zangen seines Hinterleibs das Weibchen hinter dem Kopf und hält es fest. Die Partner sind jetzt fest zu einem sogenannten Tandem verbunden, das auch gemeinsam fliegt; das Männchen ist vorn bzw. oben. Die eigentliche Kopulationsstellung ist dann das Paarungsrad. Es kommt dadurch zustande, dass das Weibchen seinen Hinterleib so weit nach vorne krümmt bis sein Ende das männliche Kopulationsorgan berüht und das Sperma aufnimmt. Die Verbindung zum Paarungsrad bleibt eine Weile bestehen, dann macht sich das Weibchen daran, die befruchteten Eier abzulegen. Bei vielen Libelle halten sich die Männchen auch jetzt noch am Weibchen fest, um eventuelle Konkurrenten abzuwehren.

 

Quellen:

Mario Ludwig (2011): "Natur entdecken Monat für Monat"

Wolfgang Hensel (2006): "300 Fragen zur Natur"

Löwen in der Heide?!
Sind Ihnen auf den Sandflächen in der Heide schon mal trichterförmige Vertiefungen aufgefallen? Hier wohnt der Ameisenlöwe und lauert unten im Sand eingegraben auf Beute, die in den Trichter fällt. Als Ameisenlöwe wird die Larve der Ameisenjungfern (Myrmeleontidae) bezeichnet. Ameisenjungfern sind Insekten, die zur Ordnung der Netzflügler gehören.

 

Die meisten Ameisenlöwen leben in offenen, sonnenexponierten Sandflächen, wo sie sich vollständig eingraben. Etwa 10% der sandliebenden Arten bauen Fangtrichter.
Der Bau des Trichters dauert etwa 15 Minuten und ist in doppelter Hinsicht eine perfekte Anpassung an die lebensfeindliche Umgebung trockenheißer Sandgebiete. Zum einen erlaubt er den Larven die Erweiterung des Aktionsradius beim Beutefang, ohne größere Ortswechsel ausführen zu müssen. Zum anderen dient der Trichter als Hitzeschutz, weil die Oberflächentemperaturen in Wüstengebieten bis zu 80°C betragen können. Die Trichterwände werden von der Sonne in einem flacheren Winkel beschienen als der ebene Boden und infolgedessen heizen sie sich nicht so stark auf. Wichtigste Voraussetzung für das „Funktionieren“ des Trichters ist, dass die Steigung der Trichterwände genau dem Reibungswinkel des verwendeten Substrats entspricht und damit die maximal mögliche Steilheit aufweisen. Bei Sand beträgt der Winkel etwa 30°. Tiere, die auf die Trichterwand geraten, bringen deren instabilen Zustand aus dem Gleichgewicht und rutschen in die Tiefe.
Der Ameisenlöwe nimmt mit seinen Sinneshaaren auf den Borstenrücken, bereits aus 6–8 cm Entfernung Beutetiere wahr, die sich dem Trichter nähern. Potentielle Beutetiere werden gezielt mit Sand beworfen. Bei größeren Tieren, die eine Gefahr darstellen könnten, taucht der Ameisenlöwe dagegen in tiefere Sandschichten ab. Gerät das Beutetier auf die Trichterwand, rutscht es unweigelich ab. Am Trichtergrund ergreift der Ameisenlöwe seine Beute blitzschnell in der Körpermitte mit den Kieferzangen und bohrt deren Spitzen zwischen die Chitinplatten. Über den Giftkanal der Kieferzangen wird ein hochtoxisches Gift injiziert, was bereits nach 30 Sekunden zur Lähmung der Beute führt. Nachdem die Beute Tod ist – was wenige Minuten bis etwa eine halbe Stunde dauern kann – werden Verdauungsenzyme in den toten Körper eingespritzt. Die Enzyme lösen das Körperinnere des Beutetieres vollständig zu einem Brei auf, der schließlich ausgesaugt wird. Die ausgesaugte Hülle wird anschließend aus dem Trichter hinausgeworfen.
Anders als der Name suggeriert, gehören nicht allein Ameisen zum Beutespektrum des Ameisenlöwen, auch wenn Ameisen durchaus typische Beutetiere sind. Vor allem Insekten, wie Asseln, Spinnen, Milben und Tausendfüßler zählen zu seiner Beute, teilweise sogar kleine Nacktschnecken und Regenwürmer. Begrenzende Faktoren sind die Größe, Panzerung und Wehrhaftigkeit des Beutetiers.


Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ameisenlöwe, 11.08.2012

Warum haben Fliegenpilze weiße Tupfen auf dem Hut?


Bereits jedes Kind erkennt den giftigen Fliegenpilz an dem weiß gepunkteten, roten Hut. Doch woher stammen diese weißen Tupfer?
Die weißen Punkte sind Überreste einer Schutzschicht, die den Fliegenpilz im Jugendstadium komplett umhüllt. Auf diese Weise ist der junge Fliegenpilz gut geschützt, wenn er sich aus dem Boden schiebt. Unter der Hüllschicht liegt aber bereits die rote Schicht des Hutes. Irgendwann stellt die weiße Hülle ihr Wachstum ein, während der Hut mit der roten Außenfläche weiter wächst. Dabei reißt die Hülle auseinander und bildet die charakeristischen Tupfer. Je größer der Hut wird, desto weiter rücken die schneeweißen flockigen Hüllreste auseinander. Bei einem starken Regen können die Überreste der alten Hülle schließlich sogar ganz weggespült werden: Der Hut von sehr alten Fliegenpilzen ist daher häufig nackt und gänzlich rot.

Quelle:
Wolfgang Hensel (2006): "300 Fragen zur Natur"

Warum erfrieren Fische nicht unter dem Eis?

Fische und andere Wasserbewohner profitieren von einem physikalischen Phänomen: Größere Teiche und Seen in Mitteleuropa frieren nie ganz zu. Die Eisschicht wird kaum dicker als 30 cm - eine Mindesttiefe von über 1 m vorausgesetzt.

Aufgrund der so genannten "Dichteanomalie" wird das Tiefenwasser von Seen niemals kälter als 4°C, denn bei dieser Temperatur hat Wasser die größte Dichte und sinkt nach unten. Zu Eis gefrorenes Wasser ist dagegen sehr leicht, es schwimmt immer oben (daher die schwimmenden Eisschollen und Eisberge).

Wenn also das Wasser im Wechsel vom Sommer zum Winter langsam abkühlt, sinkt es zu Boden, bis die Lufttemperatur das Oberwasser stärker abkühlt als plus 4°C. Dieses kältere Wasser ist wieder leichter, bleibt oben und gefriert schließlich bei Temperaturen unter 0°C zu Eis. Der Übergang von flüssigem Wasser zu Eis setzt sich nun an der Unterseite der Eisfläche fort – und das geht immer langsamer, je dicker das Eis wird. Der tiefe Teil des Sees behält dabei konstant eine Wassertemperatur von plus 4°C.
Deshalb halten sich die Fische im Winter auf dem Grund des Gewässers auf und halten dort ihre Winteruhe. Ihr Herz schlägt nur sehr langsam, sie atmen weniger, bewegen sich fast nicht und verbrauchen so nur wenig Energie und Sauerstoff. Sie nehmen auch keine Nahrung mehr zu sich, sondern zehren von ihren angefutterten Energiereserven. Wenn das Eis im Frühling auftaut und das Wasser wärmer wird, beenden die Fische ihre Winterruhe und kommen wieder an die Oberfläche.


Quellen:
Mario Ludwig (2011): "Natur entdecken Monat für Monat"
Wolfgang Hensel (2006): "300 Fragen zur Natur"

Zitronenfalter: Mit Frostschutz durch den Winter

Die Zitronenfalter gehören zu einer Reihe von Schmetterlingen, die den Winter als ausgewachsenes Tier überstehen. Sie überwintern – als einzige heimische Schmetterlingsart – frei an Zweigen und Stengeln oder zwischen trockenem Laub auf dem Boden, bevorzugt in feuchten, etwas schattigen Waldbereichen. In der Regel behalten sie den einmal gewählten Sitzplatz den ganzen Winter hindurch bei. Sie halten jedoch keinen echten Winterschlaf, sondern verfallen in Winterstarre, indem sie ihren Stoffwechsel auf ein absolutes Minimum herunterfahren. Gegen das Einfrieren schützen sich die Falter (wie alle im Freien überwinternden Insekten) durch eine Art "Frostschutzmittel". Sie ersetzen ihre Körperflüssigkeit durch eine Mischung aus Alkohol, Eiweiß und Salzen oder erhöhen den Blutzuckergehalt, so dass das Zellgewebe nicht erfrieren kann. Auf diese Weise überstehen die Falter auch schneereiche Winter unbeschadet, selbst wenn sie mehrfach ganz unter der Schneedecke verschwinden. Starke Temperaturschwankungen zwischen kalt und warm können den Schmetterlingen allerdings gefährlich werden, weil dadurch die Starre nicht aufrechterhalten werden kann.

Die ersten fliegenden Zitronenfalter kann man meist schon im Februar beobachten. Sie zählen zu den ersten Frühlingsboten. Im März und April findet die Paarung statt. Die Eiablage erfolgt im Juni, bevorzugt an Faulbaum und Echtem Kreuzdorn. Die Falter schlüpfen im Hochsommer. Zitronenfalter werden bis zu 12 Monaten alt und haben damit die höchste Lebenserwartung aller heimischen Schmetterlingsarten. Er wird deshalb auch als der "Methusalem" der Schmetterlinge bezeichent.

 

Quellen:

Heiko Bellmann (2003): "Der neue Kosmos Schmetterlingsführer"

Wolfgang Hensel (2006): "300 Fragen zur Natur"